Das Unternehmen Vitruvia investiert 2,8 Millionen Euro in den Umbau des alten Baumarktes in der Schönebecker Margaretenstraße.

Von  Jan Iven

Schönebeck l Außen alter Baumarkt, innen entsteht in der Margaretenstraße derzeit einer der europaweit modernsten Standorte zur Sterilisation von medizinischen Geräten. Zumindest versprechen dies die Verantwortlichen beim Berliner Unternehmen Vitruvia. „Wir wollen die Latte höher hängen“, sagte Rainer Grabow, Geschäftsführer von Vitruvia.

Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Reinigung, Desinfektion und Sterilisation von medizinischen Produkten aus Kliniken, die diese Aufgabe häufig nicht selbst übernehmen. Konkret geht es dabei nicht um einfaches Operationsbesteck, sondern um aufwendige Geräte wie Endoskope oder roboterassistierte Instrumente. Deren Reinigung wird von den Krankenhäusern oft an Spezialfirmen ausgelagert.

15 Arbeitsplätze schaffen
Für den Standort in Schönebeck sprach nach Angaben von Geschäftsführer Grabow die zentrale Lage und gute Autobahnanbindung der Stadt. Das Unternehmen hatte sich auch Grundstücke in Leipzig und Jena angeschaut. Doch die Preise wären dort sehr viel höher. Auch das Arbeitskräfteangebot werde hier positiv eingeschätzt. So will das Unternehmen 15 Arbeitsplätze in Schönebeck schaffen, darunter elf in der Produktion und vier im Verwaltungsbereich.

Rainer Grabow (von links), Thomas Wünsch, Bert Knoblauch und Torsten Cejka bei der Übergabe des Fördermittelbescheides.

Angaben zu der Höhe der Investitionen will das Unternehmen Vitruvia zwar nicht machen. Dem Vernehmen nach soll der Umbau des alten Baumarktes knapp 2,8 Millionen Euro kosten. Vom alten Gebäude sollen vor allem die Stahlbetonwände und das Dach übernommen werden. Die Isolierung der Wände wird komplett erneuert. In einer neuen Zwischendecke werden eine Klimaanlage und Anlagen zu Aufbereitung von Wasser eingebaut. Im Zentrum des Gebäudes an der Margaretenstraße entsteht ein großer steriler Reinraum, wo die eigentliche Sterilisation durchgeführt wird.

Nach einer manuellen Vorwäsche werden die medizinischen Geräte maschinell gereinigt und sterilisiert. „Die Produkte sind dann zu 100 Prozent keimfrei“, sagte Rainer Grabow. Bei der Konkurrenz könnten zumindest schon manchmal einzelne ungefährliche Proteine übrig bleiben. Im schlimmsten Fall könnten sogar die problematischen multiresistenten Keime überleben.

Arbeiten für ganz Europa
Das soll bei Vitruvia aufgrund des selbst entwickelten und fast vollständig maschinellen Verfahrens ausgeschlossen sein. Und die Kliniken, so ist man bei Vitruvia überzeugt, würden sich allein schon aus Haftungsgründen immer für den besten Anbieter entscheiden. Entsprechend selbstbewusst setzt man nun auch die Ziele. „Wir wollen für Kliniken in ganz Deutschland und Europa arbeiten“, kündigte Rainer Grabow an. Auch mit Krankenhäusern in der Region sei man bereits im Gespräch.

Mit seinem Konzept will Vitruvia ein Kreislaufsystem für hochkomplexe Medizinprodukte schaffen. „Nach ihrem Lebenszyklus wollen wir die Geräte auch recyceln und die Rohstoffe der Wiederverwertung zuführen“, sagte Grabow. Tatsächlich lässt sich medizinisches Zubehör so gut reinigen, dass selbst manche derzeit als Einmalprodukte deklarierten Materialien theoretisch nach der Sterilisation wiederverwendet werden könnten. Dabei würden sich durch die Verbesserungen der Sterilisationsmethoden auch immer wieder die Kategorien verschieben. Und was in dem einen Land als Wegwerfprodukt gilt, darf in anderen Ländern nach der vollständigen Sterilisation bereits wiederverwendet werden. „Manche Produkte werden bei einer Operation geöffnet und müssen danach weggeworfen werden, selbst wenn sie gar nicht benutzt wurden und man sie gut sterilisieren könnte“, sagte Geschäftsführer Rainer Grabow. Dabei gehe es in der Medizintechnik letztendlich auch um sehr viel Geld.

Wirtschaftsministerium fördert Investition
Der Umbau des ehemaligen Baumarktes an der Margaretenstraße liegt einigermaßen im Zeitplan. Ursprünglich sollten die Arbeiten im April abgeschlossen sein, wie Geschäftsführer Rainer Grabow mitteilte. Inzwischen gehen die Verantwortlichen bei Vitruvia davon aus, dass der Betrieb spätestens im Juli aufgenommen werden kann. Das Unternehmen will zunächst mit einer Schicht beginnen. Sollte die Nachfrage bei den Kliniken in Zukunft jedoch weiter ansteigen, kann der Betrieb auf drei Schichten rund um die Uhr ausgeweitet werden. In dem Fall könnten an dem Standort in Schönebeck bis zu 50 neue Arbeitsplätze entstehen. Am Montag besuchte Staatssekretär Thomas Wünsch die Baustelle in der Margaretenstraße und überreichte Vertretern des Unternehmens einen Fördermittelbescheid des Wirtschaftsministeriums über rund 720.000 Euro.